Josel in Augsburg: DB-Dekoration statt Zukunftsinvestition
Auf Einladung von Pro Augsburg besuchte Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der DB AG für Bayern, die März-Sitzung des Augsburger Stadtrats.
Die AZ berichtete ausführlich „Gribl biss auf Granit“, die DAZ-Augsburg.de zog das Fazit „Zur Disposition stand nichts“.
Für die Augsburger Strukturpolitiker war der Auftritt des Herrn Josel doch ein Augenöffner auf die Investitionspolitik der Bahn.
Fassen wir sachlich und politisch wertend zusammen!
Die von Herrn Josel so bezeichnete „Groll-Planung“, die u.a. ein Güterzugs-Durchfahrtsgleis vorsieht, hat aus seiner Sicht keine Chance. Sie würde den Neubau von 2 Bahnsteigen und die Verlegung der Spannpilonen für die Oberleitungen des Personenbahnhofs mit sich bringen: Zu teuer! Denn die Bahn will nur enttäuschende ca 15 Mio in den Bahnhofsumbau investieren.
Laut Josels Prognosen, wird im Schnitt alle 7 Minuten ein Güterzug „völlig gefahrlos“ den Bahnhof passieren. Zum hintergefragten Lärmschutz gab es keine Aussagen aber die Aufdeckung einer fehlenden Abstimmung, weil die dem Baureferenten durch die Bahn vorlgelegten Zahlen, – die Grundlage konkreter Lärmschutzplanungen werden sollen -, stimmen nicht mit den nun genannten Prognosezahlen überein.
Dafür erhofft sich Herr Josel für den DB Bahnhofsbetrieb kräftigen Aufwind, weil Augsburg 2 Straßenbahnlinien auf einer 3. Ebene unter dem Bahnhof mit der Bahn vernetzen will. Heute schon bewegen sich 45000 Fahrgäste durch den Bahnhof, morgen werden es 65000 sein, ein Schnäppchen, das die DB nichts als den Innenausbau des Bahnhofs kostet, um die um 30% höhere Fahrgastzahl in Umsatz umzumünzen.
Übrigens: Herr Josel warnt davor, den Umstieg zwischen den Straßenbahnlinien durch einen Mittelbahnsteig durchzuführen, – was für Gehschwache und Behinderte sicher ein Segen wäre. Auch das Gedränge im Bahnhof würde ihn wohl nicht stören, erhöht es doch die Verweilzeit vor den Geschäften. Statt dessen umschrieb er die Innenstadtwettbewerb vorgeschlagene Passage Richtung Bahnhofsstraßen-Boulevard abwertend als „schwarzes Loch“.
Herr Josel sieht den Augsburger Bahnhof auch langfristig als Bahnhof der Kategorie 2, Haltestelle der Fernbahn ohne Anschluss. Die Bahn wird also nur in den Nahverkehr investieren und benötigt dafür den Bahnsteig F sowie die neuen flügelbaren Züge, um die vom Freistaat Bayern bestellten Verkehre abwickeln zu können.
Nach der Darlegungen des Herrn Josel frägt man sich, mit wem man eigentlich gesprochen hat. Das 3. Gleis nach Westen? Park&Ride nach Westen Süden Norden? Alles lokale Infrastrukturpolitik, aus der sich die DB zurückgezogen sieht. Ein Bahnsteig für die Impuls-Arena? Eine andere DB Gesellschaft. Gleisbau? Eine andere DB Gesellschaft. Bahnhofsumbau? Eine andere DB Gesellschaft. Bahn-Hochspannungstrasse über der Firnhaberau? Eine andere DBGesellschaft. O-Ton des Generalbevollmächtigten: „Ich vermittle gerne den Kontakt“. Die Bahn präsentierte sich als Tausendfüssler.
Nach dieser eiskalten Dusche ein erstes Fazit:
- Die Untertunnelung des Bahnhofs für 2 Straßenbahnlinien erleichtert ein Augsburger Verkehrsstrukturproblem, nämlich die Abtrennung von Pfersee und der westlichen Gebiete von der Kernstadt.
- Die Stadtplanung muss selbst die Lösung erarbeiten, wie der Bahnhof an den Bahnhofsboulevard angebunden werden kann. Denn es ist das neue Entrée in die Stadt für Straßenbahn und Bahnkunden. Dass dies erkannt und umgesetzt werden muss, betonte bereits Walter Seinsch bei seinen Wahlkampfauftritten vor der Stadtratswahl.
- Damit der Bus- und Straßenbahnverkehr an den Ganglienknoten Königsplatz und Bahnhof nicht zusammenbricht, kann der Theaterplatz als neuer Umsteigeknoten und Stadtentrée genutzt werden. Ein wertvoller Ertrag aus dem Innenstadt-Wettbewerb.
- Die Region muss auf Straßenbahn, freistaatlich beauftragten Regionalverkehr und den Bahnkonkurrenten Veolia setzen, um die DB Bahngesellschaften auf den Boden der Realität und zu ihren strukturellen Aufgaben zu bringen.
Unter Realität und auch regionale Notwendigkeit möchte Pro Augsburg zukunftsorientierte Investitionen in die Gleisinfrastruktur verstehen. So wie die Sache jetzt läuft, werden wir am Bahnhof einen dekorativen Umbau des Gebäudes erleben und einen knapp bemessenen Regionalbahnsteig F.
Bewertend gesprochen: De Bahnhof Augsburg, eine im Grunde unbedeutende Investition der DB in den, nur aus schwäbischer Sicht bedeutenden und unverzichtbaren Verkehrsknoten Augsburg.
Erfreulich bleibt allein der vom Freistaat Bayern bestellte Regionalverkehr. Die Region freut sich darauf schon lange– wenn er bloß endlich mit den neuen Zügen funktionieren würde.
Die wirklich Aufgabe, – eine gewaltige Infrastrukturinvestition -, wird Augsburg mit Bund, Land und den Landkreisen alleine stemmen müssen.
Gez. KH Englet, Prof. Dr. Harzmann, Dr. Lorbeer

