
Dieser Artikel ist als Pro-Augsburg-Rundbrief »Extra 12: Überschuldung« erschienen. Sie können den Rundbrief auch als PDF herunterladen.
Die Analyse
Der Sozialbericht 2012 (bitte im Sozialreferat anfordern) belegt, dass zwischen 2000 und 2009 das Augsburger Wirtschaftswachstum mit zwei Prozent »weit unterdurchschnittlich« (S. 94) war – verglichen mit 6,7 Prozent in Bayern und elf Prozent in den sonstigen Verdichtungsräumen.
Auch im Nachhinein bestätigen diese Zahlen die Wahlplattform von Pro Augsburg von 2008, die von »mangelnder Wirtschaftsdynamik« ausging und in der Folge zusammen mit dem Koalitionspartner CSU das große Infrastrukturprojekt in Gang setzen konnte.
Es erscheint deshalb nicht ohne innere Logik, dass zwischen 2000 und 2011 die Verbraucherinsolvenzen um 487 Prozent angestiegen sind. Nun ist das zwar ein bayernweit zu beobachtender Trend, der auch die breitere Akzeptanz des Rechtswerkzeugs »Verbraucherinsolvenz« aufzeigt. Der allgemeine Trend aber wird in Augsburg im Verhältnis zu Bayern um 196 Prozent überstiegen.
Die AZ berichtete, dass ganz allgemein jeder zehnte Bürger und überproportional vor allem Jugendliche überschuldet sind.
Die Leistung der Stadtsparkasse und des Bürgerbüros
Diese Beobachtungen sind natürlich nicht neu. Die Stadt Augsburg betreibt daher im Rahmen des »Bündnisses für Augsburg« das Teilprojekt »Sozialpaten«. In neun Anlaufstellen steht Beratung zur Verfügung, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
Eine weitere Beratungsstelle für Schuldner betreibt die Caritas. Das Bündnis für Augsburg ist präventiv tätig. Schulklassen können Kurseinheiten buchen, die vom Bündnis angeboten werden und deren didaktisches Material von Stadtsparkasse und Caritas vorbildlich entwickelt worden ist. Zusätzlich sind städtische Mitarbeiter vor Ort in den Schulklassen und diskutieren mit den Schülern die Fallen der Konsumgesellschaft und die Konsequenzen der Verschuldung.
Die Gefahrenstellen
Die Daten des Statistischen Bundesamtes zu den Ursachen der Verschuldung sprechen eine klare Sprache (FAZ vom 18.1.2013). Als Gründe werden genannt: Arbeitslosigkeit (27 %); Trennung, Scheidung, Tod eines Partners (14 %); Sucht oder Unfall (12 %); unwirtschaftliche Haushaltsführung (11 %); gescheiterte Selbständigkeit (8 %). Acht Prozent der Erstberatenen waren unter 25 Jahre alt. Die Fallhöhe bzw. –tiefe bewegte sich im Schnitt um 35000 Euro.
Diese Daten belegen, wie enorm wichtig eine Schuldnerberatung ist. Sie zeigen aber auch die Grenzen der Prävention auf, denn Arbeitslosigkeit, Trennung und Unfall sind Schicksalsschläge, die sich weitestgehend jeder Prävention entziehen.

Daten aus dem Bundesministerium für Statistik über die Hauptgründe der Überschuldung und die Höhe der Überschuldung bei Eintritt des Überschuldungsereignisses.
Reaktionspunkte
Betrachtet man die Schuldnerberatung, kommt man nicht um die Feststellung herum, dass an den Einstiegsstellen in die schicksalhafte Verschuldung – Arbeitslosigkeit, Trennung, Scheidung, Krankheit, Sucht oder Tod – keine Angebote vorliegen, die das verfügbare Beratungspotenzial präventiv anbieten.
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